Protect the climate - home

2 Grad mehr – na und?

Klimaschutz auf lokaler Ebene

als Bestandteil der Armutsbekämpfung

Was ist Klimawandel?

Eisberg
© privat

Klimawandel – Was ist das?

Klima oder Wetter?

Den kurzfristigen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort nennt man Wetter – also z. B. ob die Sonne scheint oder ob es regnet, warm oder kalt ist. Mit Klima hingegen wird der durchschnittliche Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort über einen längeren Zeitraum, üblich sind hier 30 Jahre, bezeichnet. Im Gegensatz zum Wetter, das häufig kurzfristig umspringt, ändert sich das Klima, sozusagen das „Durchschnittswetter“ einer bestimmten Region, nur sehr langsam.

Klimaveränderungen im Laufe der Geschichte und aktueller Klimawandel

Klimaveränderungen hat es in der langen Geschichte der Erde immer wieder gegeben. Während der letzten Eiszeit, die vor ca. 10.000 Jahren endete, lag Deutschland zum Beispiel größtenteils unter einer dicken Eisdecke. Aber auch in den letzten 1.000 Jahren hat sich das Klima der Erde gewandelt: Auf das bis dahin relativ warme Mittelalter folgte Anfang des 15. Jahrhunderts eine Kälteperiode, die sogenannte „Kleine Eiszeit“, die bis ins 19. Jahrhundert andauerte.

Was unterscheidet also die seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu beobachtende globale Erwärmung von bisherigen Klimaänderungen? Zum ersten Mal sind die Ursachen für die Abkühlung oder die Erwärmung des Klimas nicht in natürlichen Prozessen, wie Schwankungen in der Sonneneinstrahlung oder Vulkaneruptionen, zu finden. WissenschaftlerInnen haben stattdessen festgestellt, dass es parallel zum globalen Temperaturanstieg auch eine Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre gegeben hat.

In Bohrkernen aus Gletschern kann man für die letzten 800.000 Jahre die Zusammensetzung der Atmosphäre ablesen. Die CO2-Konzentration schwankte in dieser Zeit und bis zum Beginn der industriellen Revolution zwischen etwa 200 ppm (parts per million, 1 ppm = 0,0001 Prozent) und 300 ppm. Seitdem ist sie auf über 390 ppm angestiegen und wird in wenigen Jahren die Marke von 400 ppm überschreiten.

Die erhöhte Menge an Treibhausgasen lässt sich auf menschliches Handeln zurückführen – der Mensch selbst verändert erstmals das Klima. Denn durch die Zunahme von Treibhausgasen wird der natürliche Treibhauseffekt verstärkt. Die Folge ist: Es wird wärmer.

Der natürliche Treibhauseffekt

Infografik: Treibhauseffekt

Sonnenenergie erreicht in Form von kurzwelliger Strahlung die Erde. Von der Erdoberfläche wird diese als langwellige Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) wieder in Richtung Weltall zurückgestrahlt. Ein Teil dieser Wärmestrahlung jedoch verlässt die Atmosphäre nicht wieder, sondern wird durch Wasserdampf und Treibhausgase – hauptsächlich Kohlenstoffdioxid und Methan – in der Atmosphäre zurückgehalten. Dadurch verbleibt die Strahlung in der Atmosphäre und heizt die Erdoberfläche und die erdnahe Atmosphäre auf. Als Folge erhöht sich die Temperatur. Dieser sogenannte natürliche Treibhauseffekt ist von grundlegender Bedeutung für das Leben auf der Erde. Ohne ihn würde die Temperatur der Erdoberfläche nur -18 °C statt durchschnittlich +15 °C betragen. Wasserdampf und Treibhausgase, die es schon immer in der Atmosphäre auch ohne menschliches Zutun gegeben hat, wirken also in gewisser Weise wie das Glasdach eines Treibhauses. Sonnenstrahlen können fast völlig ungehindert das Glasdach passieren, die langwellige Wärmestrahlung bleibt jedoch im Treibhaus „gefangen“.

Der anthropogene Treibhauseffekt

Der anthropogene Treibhauseffekt ist die Ursache für den vom Menschen verursachten Klimawandel. Seit Beginn der Industrialisierung verbrennt der Mensch zur Energiegewinnung große Mengen fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Bei der Verbrennung wird der in diesen Stoffen gespeicherte Kohlenstoff gasförmig als Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre. In der Atmosphäre erhöht sich so die Konzentration von CO2 und anderen klimarelevanten Gasen. Dazu gehört beispielweise auch Methan (CH4), das in großen Mengen durch die Landwirtschaft emittiert wird. Die aktuelle Konzentration von CO2 und Methan in der Atmosphäre ist höher als zu jedem anderen Zeitpunkt der jüngeren Erdgeschichte.

Über eine Isotopenmessung kann der Mensch zweifelsfrei als Verursacher des gestiegenen CO2-Gehalts in der Atmosphäre identifiziert werden. Denn Kohlenstoffdioxid aus fossilen Brennstoffen hat ein anderes Verhältnis der Kohlenstoffisotope 13C und 12C als CO2 aus anderen Quellen, wie beispielsweise aus Vulkaneruptionen. Der anthropogene Treibhauseffekt verstärkt nun den natürlichen Treibhauseffekt. Die Temperatur steigt an und das Klima ändert sich. Die wichtigsten Quellen für Treibhausgase sind Kraftwerke, Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Waldrodungen.

Welche Folgen hat der Klimawandel?

Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit hat sich die Temperatur bisher um ca. 0,8 °C erhöht. Dies ist im Vergleich zu vorherigen, natürlichen Temperaturschwankungen ein ungeheuer schneller Anstieg und hat weltweite Folgen: In den letzten Jahrzehnten hat sich im Sommer die Ausdehnung der arktischen Eisdecke um über 20 Prozent verringert; der Meeresspiegel ist im vergangenen Jahrhundert um 12 bis 22 cm höher geworden und steigt aktuell um weitere 3,3 mm pro Jahr; in den Alpen haben die Gletscher bereits die Hälfte ihres Volumens verloren – bei zunehmender Geschwindigkeit; extreme Wetterereignisse, wie Hurrikans oder Überflutungen nach starken Regenfällen, treten nicht nur häufiger, sondern auch mit verstärkter Intensität auf.

Viele Veränderungen lassen sich auch in Südamerika beobachten. Die Gletscher der Anden sind in den letzten Jahren stark geschrumpft und einige sind bereits fast vollständig verschwunden. Immer häufiger auftretende Dürreperioden gefährden die Erträge der Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig kommt es vermehrt zu extremen Niederschlägen mit Hangrutschungen und Überschwem-mungen. Steigende Temperaturen ermöglichen es Mücken, die Krankheiten wie Malaria und Dengue verbreiten, sich in Gebiete auszubreiten, deren Klima für sie ursprünglich zu kühl war. Der Klimawandel bedroht auch die Artenvielfalt, da gerade Zonen mit hoher Biodiversität, wie z.B. der Amazonas-Regenwald, empfindlich auf Temperatur- und Niederschlagsänderungen reagieren.

Das 2-Grad-Ziel

Die internationale Klimapolitik orientiert sich am Ziel, die globale Erwärmung auf maximal 2 °C über dem Niveau der vorindustriellen Zeit zu beschränken. Jenseits dieser Marke werden für das globale Klima- und Ökosystem fatale Folgen erwartet, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Das Klima der Erde ist ein höchst komplexes System. Werden bestimmte Schwellenwerte überschritten, steigt die Wahrscheinlichkeit für abrupte und extreme Veränderungen mit katastrophalen Auswirkungen für das globale Ökosystem stark an. Ein großes Problem sind dabei positive Rückkopplungen, also sich selbst verstärkende Prozesse, die den Klimawandel zusätzlich ankurbeln und eine nicht mehr rückgängig zu machende Erderwärmung auslösen. Diese Prozesse heißen Kipp-Punkte (engl. „tipping points“). Tauen zum Beispiel durch den Temperaturanstieg die sibirischen Permafrostböden auf, werden große Mengen Methan in die Atmosphäre freigesetzt. Diese verstärken den Treibhauseffekt. Schmilzt das Eis der Arktis, steigt als direkte Folge der Meeres-spiegel. Gleichzeitig verringert sich aber auch die Albedo, also das Verhältnis von reflektierter zu absorbierter Sonneneinstrahlung, was einen zusätzlichen Temperaturanstieg zur Folge hat. Denn während die Sonnenstrahlung auf der hellen Eisdecke größtenteils reflektiert wird, absorbiert der darunter liegende Ozean einfallende Sonnenstrahlung wesentlich stärker. Damit erwärmen sich das Meer und die angrenzende Luftschicht.

Was ist zu tun?

Es gibt zwei Strategien, dem Klimawandel zu begegnen:

Reduzierung der Treibhausgasemissionen

Eine Strategie besteht darin, den Klimawandel auf maximal 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, um so Klimaschäden mit gravierenden Folgen für den gesamten Erdball zu verringern. Zum bisherigen Temperaturanstieg von 0,8 °C wird nach Prognosen ein weiterer unvermeidbarer Anstieg der Temperatur von mindestens 0,5 °C dazukommen. Denn die Treibhausgase, die diese weitere Temperatur-erhöhung bewirken, befinden sich bereits in der Atmosphäre, die Erwärmung geschieht aber zeitverzögert. Das 2-Grad-Ziel ist folglich sehr ambitioniert. Um es zu erreichen sind die Treibhausgasemissionen bis 2050, gegenüber 1990, global um mindestens 50 Prozent und in den Industrieländern sogar um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren.

Doch aktuell steigt der globale Treibhausgasausstoß weiter an. Das 2-Grad-Ziel wird folglich nur zu erreichen sein, wenn Politik und Wirtschaft auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene innerhalb der nächsten Jahre umdenken und notwendige Maßnahmen entschieden umsetzen. Dazu gehören die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen (anstatt aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdöl), die Elektromobilität, die Steigerung der Energieeffizienz in Industrie und Haushalten und der Schutz und Erhalt der verbliebenen Wälder weltweit.

Doch nicht nur Politik und die Wirtschaft stehen in der Verantwortung, auch jede Einzelne und jeder Einzelne ist aufgerufen, einen Beitrag zu leisten: Durch politische Teilhabe, bzw. Aufforderung von Unternehmen zu klimafreundlichem Handeln, durch Stromsparen im Haushalt, der Reduzierung von Flugreisen oder durch den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad oder die öffentlichen Verkehrsmittel.

Anpassung an den Klimawandel

Literaturquellen und -tipps

  • Edenhofer O. et al. (Hrsg.) (2010): Global Aber Gerecht: Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen, Report: Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Institut für Gesellschaftspolitik München, Misereor und Münchner Rück Stiftung. C.H. Beck: München.
  • Germanwatch (20113): Globaler Klimawandel: Armut, Folgen, Handlungsmöglichkeiten.                                                                  Download unter: http://germanwatch.org/de/download/1186.pdf
  • Latif, Mojib (2009): Klimawandel und Klimadynamik, Eugen Ulmer KG: Stuttgart.
  • Rahmstorf, Stefan / Schellnhuber, Hans Joachim (20127): Der Klimawandel: Diagnose, Prognose, Therapie, München: Beck.

Für jüngere Schülerinnen und Schüler:

  • Buggisch, Werner / Buggisch, Christian (2008): Was ist Was, Band 125: Klima, Tessloff Verlag: Nürnberg.
  • Lateinamerika-Zentrum e.V. on facebook
  • Lateinamerika-Zentrum e.V. Youtube-Channel

Newsletter

Sie möchten immer die aktuellen News? Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Newsletter abonnieren » 

Forum

Wie gefällt Ihnen das Projekt?
Was sind Ihre Klimaschutz-Tipps?
Klimawandel und Armut, was meinen Sie?

Zum Forum » 

Umfrage

„Ich bin bereit, mich für den Klimaschutz einzusetzen.“ Ja oder nein? Jetzt antworten!

Zur Umfrage »